Schloss und Dorf Allner und das frühere Besitzergeschlecht bleiben im Dunkel der Geschichte verborgen. Erst gegen Ende des Mittelalters hebt sich allmählich der Schleier. Der früheste Hinweis auf eine Siedlung Allner findet sich in einem Besitzverzeichnis des Augustinerinnenklosters Merten an der Sieg vom Ende des 13. Jahrhunderts. Der Beleg dürfte, wie sich aus inhaltlichen Hinweisen und einem Schriftvergleich ergibt, aus der Zeit um 1280 stammen. Danach machte ein Priester Konrad den Nonnen in Merten ein großzügiges Geschenk. Er kaufte Weinberge in Honnef im Steinbusch für 22 Mark. Darüber hinaus erwarb derselbe zwei Tagewerk Land in der Buchen bei Allner im Wert von 32 Schillingen, deren Eigentum der adelige Herr von Dollendorf dem Kloster der heiligen Agnes übertrug. Der Priester Konrad übereignete Grundstücke an voneinander entfernt liegenden Plätzen. Das Kloster Merten hatte noch mehr Besitz in Honnef, der schließlich den Mertener Hof umfaßte. Das Land in der Nähe von Allner erscheint jedoch bloß in diesem einen Beleg. Es handelt sich um Ackerflächen, die wohl, wie der Flurnahme "in der Buchen " bedeutet, im bewaldeten Gebiet gerodet wurden. Eine Rodung steht in Beziehung zu siedelnden Menschen. Eine Siedlung rnit dem Namen Allner liegt nahe bei. Ob es sich um eine befestigte Anlage, um einen Einzelhof oder um ein Dorf handelt, bleibt ungewiß. In welchem Teil der Allner Flur sich das Grundstück befand, wird gleichfalls nicht klar. Der Flurname hat sich nicht erhalten. Der Schenker, der Priester Konrad, kann nicht auf sein Eigentum zurückgreifen. Er kauft vielmehr den Acker für den Zweck der Schenkung. Hinweise auf seine Person gibt es nicht. Vielleicht lebte er in einem Kloster der Umgebung. Im 12. und 13. Jahrhundert etwa werden mehrere Mönche mit dem Namen Konrad in der Benediktinerabtei Siegburg erwähnt. Jedenfalls bedurfte er eines weltlichen Vermittlers, eines adeligen Herrn von Dollendorf. Ritter von Dollendorf erscheinen mehrfach im Laufe des 13. Jahrhunderts. Angehörige der Familie treten bis ins 15. J ahrhundert als Gönner des Minoritenklosters SeligenthaI und des Augustinerchorherrenklosters in Bödingen auf. Vielleicht war der von Dollendorf ein Verwandter des Priesters Konrad, vielleicht gar der Verkäufer des Schenkungsgutes. In letzterem Falle wäre nicht allein eine Siedlung Allner mit Gewißheit um 1280 anzunehmen, sondern wohl auch eine befestigte Anlage, ein Rittersitz zu vermuten. Die Mutmaßungen werden indessen dadurch nicht in gesicherte Behauptungen überführt, daß man ein Geschlecht von Allner annimmt. Immerhin erscheint 1384 ein Juncker Wylbert von Aldender zusammen mit den "gemeine Naeber zu Aldender", also den Dorfbewohnern, im Weistum des Freigerichts von Happerschoß. In Happerschoß besitzt er freie Güter, von denen er der Freien Bank neun Schillinge zahlt. Sollte es sich um Philipp von Markelsbach handeln, der 1379 und 1386 als Schöffe in Siegburg und 1387 ein Mann und Getreuer, also Vasall des Abtes auf dem Michaelsberg, genannt wird, dann dürfte ein Allner Geschlecht anzunehmen sein. Andernfalls hätte ein Angehöriger des Geschlechts von MarkeIsbach in die Familie Allner eingeheiratet. Denn 1420 findet sich zum ersten Mal die Familiennamenbildung "von MarkeIsbach genannt von Allner". Diese Ausdrucksweise könnte auf die Eheschließung des Vaters des Namensträgers mit einer von Allner hinweisen. Aus der Tatsache der Nennung geht indessen so viel hervor, daß um 1400 die von MarkeIsbach in Allner ansässig sind.

 

Die von Markelsbach genannt Allner

Dietrich von Markelsbach tritt in den Urkunden noch nicht in der Verbindung mit Allner auf. Vielleicht war er es jedoch, der den günstigen Platz über der Sieg an sich brachte, dort eine Befestigung errichtete oder sie für sich gewann. In unmittelbarer Nähe zieht die Straße vorüber, die von Köln durch die Wahner Heide und über Siegburg kommend, zur Nutscheid aufsteigt. Der Flußübergang verbindet sie wiederum mit der Frankfurter Straße über den Westerwald. An dieser Stelle sind also Sicherungsaufgaben wahrzunehmen. Darüber hinaus hat Dietrich von MarkeIsbach 1375 das Amt des Drosts oder Amtsmanns des Landes Blankenberg inne. In Allner befindet er sich also in Sichtweite zur Burg und Stadt Blankenberg. Sein Sohn Arnold folgt ihm als Amtmann zu Blankenberg. 1420 wird "Arndt von Alner Amtman zu Blanckenberg" genannt. 1435 führt er den Zusatz "von MarkeIsbach genannt Allner". Damit ist eine Beziehung zum Sitz Allner gesichert. Arnolds Sohn aus seiner zweiten Ehe mit Lysa von Uthweiler ist Wilhelm von MarkeIsbach genannt Allner. Er erscheint in der Zeit von 1444 bis 1490 und besitzt Einfluß und Vermögen. Er ist Schultheiß des Lohmarer Waldes und der zum Hof Klinkenberg des Stifts Vilich auf dem Stallberg bei Siegburg gehörigen Mark. 1490 teilt er seinen Besitz im Wert von mehr als 6500 Kaufmannsgulden unter seine Kinder auf. Den Sitz Allner überläßt er seinem ältesten Sohn Albert.von MarkeIsbach genannt Allner setzt die Bemühungen seines Vaters um Mehrung des Besitzes und Steigerung des Ansehens fort. Er ist 1512 bis 1523 Schöffe und Unterschultheiß in Siegburg. 1514 begegnet er auch als Schultheiß. Das gleiche Amt übt er für den Lohmarer Wald aus. Er war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe des Albert mit Maria von Rott stammt Johann von MarkeIsbach genannt Allner. 1498 verkauft er vor dem Gericht in Siegburg eine Rente. Ein öffentliches Amt scheint er nie innegehabt zu haben. Möglicherweise liegt ein Grund darin, daß er mit dem Landesherrn in Unfrieden lebte. Selbst als Herzog Johann der III. von Jülich-Berg (1511-1539) im Jahre 1521 auf Bitten seiner Schwägerin, der Marktgräfin Anna von Brandenburg "Johannen von Alner Albrechts Sohn " alles was er gegen "Seine Fürstliche Gnaden gethan" verzieh, stellte sich das Einvernehmen nicht her. Johann stirbt vor der Mitte des 16. Jahrhunderts. Seine Frau Anna von Lieck heiratet in zweiter Ehe den nichtadeligen Johann Kannengießer, Bürger in Siegburg, der auf Haus Allner seinen Wohnsitz nimmt. Er bleibt dort über den Tod seiner Ehefrau und seines Stiefsohnes Vinzenz hinaus. Vinzenz von MarkeIsbach genannt Allner, der einzige Sohn des Johann von MarkeIsbach genannt Allner und der Anna von Lieck, beabsichtigt, Kriegsdienste zunehmen und sein Vaterland zu verlassen. Er stirbt unverheiratet am 14. August 1554. Mit ihm erlischt die männliche Linie zu Allner .

 

Die Scheiffart von Merode

Sein Besitz, unter anderem der adelige Sitz Allner, fällt an seine nächste Blutsverwandte, an seine Tante Maria, Tochter des Albert von MarkeIsbach genannt Allner. Sie heiratet nach der Eheberedung vom 2. Mai 1524 den Walraff Scheiffart von Merode genannt Kühlseggen zu Weilerswist. Um 1557 kann das Ehepaar Allner endgültig gewinnen. Es begründet die Linie der Scheiffart von Merode zu Allner . Walraff Scheiffart von Merode, gestorben am 31. Januar 1568, und Maria von MarkeIsbach genannt Allner haben zwei Söhne. Goswin Scheiffart von Merode, der jüngere Sohn, erhält Allner. Er heiratet am 30. Januar 1568 (1589) Anna von Vervoz. Am 29. Dezember 1594 ist er abwesend. Denn "Der Edler und Erenuester Joist von Merodt gnannt Scheiffart erholt sich auf seiner behausung, und Sees zu Alner, Jetz aber mit der Wohnung zu Böge im Welschlandt sich erhalten thuet, unnd noch im leben". Goswin Scheiffart stirbt am 30. Januar 1605. Mehr ist über ihn nicht bekannt. Nun tritt sein Sohn Walraff Scheiffart von Merode das Erbe an. Walraff, am 31. Juli 1572 geboren, kämpfte als kaiserlicher Rittmeister in Ungarn gegen die Türken. Er vermählte sich am 6. September 1606 mit Elisabeth Spies von Büllesheim. 1612 wird er unter der Ritterschaft im Herzogtum Berg angeführt. 1613 ist er Amtmann des Amtes Blankenberg. Dieselbe Stellung hat er von 1622 bis 1625 in Windeck inne. Er stirbt am 26. März 1625.